Am 16. April 2020 startet ein weiterer Teil der nationalen Kampagne zur Prävention von Cyberbetrug «Und Sie? Hätten Sie ja gesagt?» zum Thema Sextortion. Die Polizeikorps der Schweiz und die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) bündeln ihre Kräfte mit Anibis.ch, um die Bevölkerung für Verhaltensweisen zu sensibilisieren, die sie vor den Risiken dieser Form von Betrug schützen, die dramatische Folgen haben kann.

Die Kantons- und Stadtpolizeien der Schweiz und die SKP haben 2019 eine nationale Präventionskampagne lanciert, um die Bevölkerung für die möglichen Gefahren im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets zu sensibilisieren. Anibis.ch, die grösste kostenlosen Kleinanzeigen-Plattform der Westschweiz, unterstützt diese Bemühungen ebenfalls. Im Rahmen dieser nationalen Präventionskampagne wurden bis anhin drei rund einminütige Videoclips veröffentlicht, die Betrugsdelikten auf Kleinanzeigen-Plattformen, dem Liebesbetrug im Internet und den Money Mules gewidmet waren.

Die Clips wurden über die Medien und die sozialen Netzwerke verbreitet und auch in allen Kanälen von Anibis.ch aufgegriffen. Diese nationale Präventionskampagne wird 2020 weitergeführt. Am 16. April wird der erste Teil der diesjährigen Kampagne zum Thema Sextortion lanciert. Im Laufe des Jahres werden zwei weitere Teile folgen, die sich mit neuen Formen von Internetbetrug beschäftigen. Parallel dazu werden in den Kantonen verschiedene zusätzliche Sensibilisierungs­aktionen durchgeführt. Dazu zählen etwa Plakatkampagnen, Verteilung von Postkarten, Hinter­grundartikel auf Präventions-Webseiten und Vorträge.

 

«Und Sie? Hätten Sie ja gesagt?»

Diese Kampagne will die Bevölkerung auf die Gefahren einer Form von Cyberbetrug aufmerksam machen, bei der Kriminelle Personen mit Bildern oder Videos erpressen, die sie nackt oder bei sexuellen Handlungen (Masturbation) zeigen. In der aktuellen Krise im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie sind die Menschen öfter zu Hause. Sie haben mehr Zeit, mehr Privatsphäre und auch den Wunsch, sich abzulenken. Dieses Bedürfnis, der Realität zu entfliehen, darf aber nicht dazu führen, dass sie sich in eine noch schwierigere Lage bringen. Mit der Geschichte von Leo und seinen ernüchternden Erfahrungen mit der fiktiven Anna sollen die vier allgemeinen Botschaften der Kampagne hervorgehoben werden, die das Risiko vermindern, Opfer eines Internetbetrugs zu werden:

  • Vertrauen Sie nie jemandem, den Sie nur über Internet kennen.
  • Geben Sie nie Ihre Passwörter oder Ihre amtlichen Dokumente weiter.
  • Geben Sie nie intime Fotos oder Informationen preis.
  • Leisten Sie nie eine Vorauszahlung, wenn Sie dem Gegenüber nicht vollständig vertrauen.

Was können Sie tun?

Bei der klassischen Variante:

Damit Sie kein Opfer werden:

  • Nehmen Sie keine Freundschaftsanfragen und Einladungen in sozialen Netzwerken an, wenn Sie die Person nicht zweifelsfrei identifizieren können oder im realen Leben bereits getroffen haben.
  • Machen Sie sich stets bewusst, dass Sie während eines Videochats gefilmt werden könnten, und verzichten Sie deshalb auf Handlungen, für welche Sie sich im Nachhinein schämen könnten.
  • Deaktivieren und überkleben Sie Ihre Webcam immer, wenn Sie nicht gerade via Videochat mit jemandem sprechen.
  • Halten Sie das Betriebssystem, den Browser und den Virenschutz Ihrer elektronischen Geräte immer auf dem aktuellsten Stand, um sich vor Malware zu schützen
  • Informieren Sie Ihr Umfeld über diese Erpressungsmethode.

Wenn Sie Opfer geworden sind

  • Gehen Sie nicht auf die Forderung der Erpresser ein: Zahlen Sie nicht!
  • Brechen Sie den Kontakt zur Frau und zu den Erpressern sofort ab. Löschen Sie sie aus Ihrer Freundesliste und reagieren Sie nicht auf ihre Nachrichten.
  • Falls die Erpresser Bild- und Videomaterial veröffentlicht haben, wenden Sie sich so schnell als möglich bei der betreffenden Plattform und verlangen Sie umgehend die Löschung der sexuellen Inhalte.
  • Richten Sie einen Google Alert mit Ihrem Namen ein. Auf diese Weise werden Sie über neue Videos und Fotos, die mit Ihrem Namen im Internet hochgeladen werden, informiert.
  • Sichern Sie alle Beweise und erstatten Sie Anzeige bei Ihrer Polizei.
  • Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson über den Vorfall oder suchen Sie sich psychologische Hilfe

Bei der Malware-Variante:

  • Zahlen Sie nicht, auch wenn die Erpresser sich mehrmals und eindringlich melden!
  • Überprüfen Sie Ihren Computer auf Malware oder lassen Sie ihn von einer Fachperson überprüfen und gegebenenfalls neu aufsetzen.
  • Ändern Sie alle Ihre Passwörter und achten Sie darauf, gute und verschiedene Passwörter zu wählen.

Der Grund, weshalb so viele Leute das geforderte Lösegeld bezahlen, dürfte darin liegen, dass sich Personen, die tatsächlich Pornografie konsumieren, schämen. Deshalb lassen sie sich durch solche Erpressungsversuche verängstigen und beschliessen, nicht darüber zu sprechen und die Erpressung auch nicht zu melden. Es kommt aber immer wieder vor, dass kompromittierendes Material veröffentlicht wird oder erneute Forderungen gestellt werden, obwohl das Opfer die geforderte Geldzahlung geleistet hat. Indem die Betroffenen wiederholt Lösegeld bezahlen, wird diese Masche noch mehr angeheizt. Es wird deshalb erwartet, dass die Anzahl solcher Erpressungen weiter zunehmen wird.

Für Medienanfragen stehen Ihnen die Medienstellen der kantonalen und städtischen Polizeikorps oder für Fragen betreffen oder Koordination auch die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) zur Verfügung:

Für die SKP Chantal Billaud, Geschäftsleiterin, info@skppsc.ch, 031 511 00 09