Bereits 60 Jahre her …

«Frau Klingele, welche unsere drei Landessprachen sowie Englisch beherrscht, wird der Polizei bei den Befragungen von fremdsprachigen Personen wertvolle Dienste leisten. Einer Inspektorin wird es denn wohl auch leichter fallen, Kinder und Frauen zu befragen.»

Dieser Auszug aus dem Artikel des Nouvelliste stammt vom 30. Januar 1958. Damals berichtete die Tageszeitung über jene «Natischerin», welche als erste Frau bei der Kantonspolizei Wallis angestellt worden war.

60 Jahre später ist die Kantonspolizei glücklich darüber, dass sie in den verschiedenen Einheiten auf die Kompetenzen von Mitarbeiterinnen zählen kann. 13 Prozent der Polizisten bei der Kantonspolizei Wallis sind Frauen.  Dieser Prozentsatz konnte in den letzten Jahren permanent erhöht werden, da mindestens ein Drittel der Absolventen der Polizeiakademie Frauen waren. Im letzten Jahr entsprach dies sogar 42 Prozent. Es ist erfreulich, dass der Anteil der Frauen, welche sich in den letzten vier Jahren bei der Walliser Kantonspolizei beworben haben, rund 30 Prozent betrug. Seit 1997 besteht bei der Kantonsverwaltung die Möglichkeit, im Teilzeitpensum zu arbeiten. Dieser Fortschritt hat sicherlich wesentlich zu der positiven Entwicklung bei der Kantonspolizei beigetragen.

Gegenwärtig haben sechs Frauen wichtige Führungspositionen bei der Kantonspolizei inne. Der Kreis Mittelwallis der Kriminalpolizei sowie die Kriminaltechnische Abteilung werden jeweils von Mitarbeiterinnen geleitet.  Bei der Abteilung Jugend und Sitte sowie bei der Abteilung Verkehr sind Frauen als Stellvertreterinnen tätig. Im Oberwallis leitet eine Hauptinspektorin die Gruppe der Kriminalpolizei. Zudem führt eine Mitarbeiterin im Unterwallis eine Gruppe der Mobilen Einheit.

Die Polizei ist nicht zuletzt auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Dies ist auch notwendig, wenn man das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen und behalten will. Die Kantonspolizei Wallis ist ein Beweis dafür.

Diese Entwicklung ist sicherlich ein Garant für die Leistungsfähigkeit unseres Korps. Es ist wichtig, dies zu unterstreichen. In sehr vielen Situationen sind Fähigkeiten und Kompetenzen von Frauen (z. B. Beziehungsfähigkeit, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Fähigkeit zum Zuhören,) gefragt.

 

Marianne KUONEN, vom Vater zur Tochter….

Marianne KUONEN hat ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Die Tochter eines Polizisten antwortet auf unsere Fragen:

Welche Erfahrungen hast du während der Polizeiausbildung in Savatan gemacht?

Bereits im Vorfeld wusste ich, dass eine Frau gemeinsam mit mir die Ausbildung absolvieren wird und ich somit nicht die einzige Frau in der Klasse bin.

Über das Rollenbild „Frau-Mann“ bei der Polizei bzw. während der Aspirantenschule habe ich mir jedoch offen gesagt jedoch keinerlei Gedanken gemacht.

Als die Schule begann, stimmte die Chemie in unserer Klasse vom ersten Moment an. Unsere Klasse hat sich während des ganzen Schuljahres gegenseitig stets unterstützt. Ich selber schätzte es, als ich während der Durchhalteübung auf die Unterstützung meiner Kollegen zählen durfte. Im Gegenzug denke ich, dass der eine oder andere Kollege auch froh darüber war, wenn ich diesen in schulischen Belangen helfen konnte

Die Gleichstellung war während der gesamten Polizeischule nie ein Thema und somit für uns alle eine Selbstverständlichkeit war. Wir pflegen untereinander nach wie vor einen sehr guten Kontakt zueinander, was ja auch ein Beweis für das gute Klima ist.

Wie hast du den Empfang (d.h. bei der Arbeitsaufnahme) bei der Kantonspolizei Wallis erlebt?

Ich absolvierte mein Praktikum in der Gruppe I der mobilen Einheit. Bereits von Anfang an fühlte ich mich in dieser Gruppe sehr wohl und spürte das entgegengebrachte Vertrauen.

Ich bin davon überzeugt, dass innerhalb unseres Teams das gegenseitige Verständnis ein wesentlicher Faktor ist.

Polizistin, Polizist: ein Beruf für Männer und Frauen?

Ein Beruf durchaus für Männer und Frauen! Ich denke, dass sich die beiden Geschlechter tagtäglich in den unterschiedlichen Situationen bestens ergänzen. Es gibt diese typischen Situationen, bei denen wir Frauen unsere Stärken einbringen und deeskalieren können. In brenzligen Situationen – wie bei einer Schlägerei beispielsweise – bin ich froh darüber, auf meine Kollegen zählen zu dürfen.

Was ist deine Vision einer effizienten Polizei?

Der eingeschlagene Kurs ist richtig. Meiner Ansicht nach drängen sich keine zwingenden Massnahmen oder Änderungen auf. Ich fühle mich wohl bei der Polizei und bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

2018-09-17T11:42:57+00:0017 September 2018|Kategorien: Aktuelles Polizei VS|