Das Phänomen „Romance Scam“ beschäftigt die Kantonspolizei weiterhin. In den letzten zwei Jahren wurden rund zehn Fälle zur Anzeige gebracht. Die Deliktsumme betrug dabei durchschnittlich CHF 60’000 pro Opfer. Traurig aber wahr: Die Dunkelziffer fällt höher aus.

Das Phänomen «Romance Scam» ist eine Form von Vorschussbetrug, welcher über das Internet abgewickelt wird. Der Modus Operandi verläuft wie folgt:

Betrüger und Betrügerinnen, welche auch «Scammer» genannt werden, erstellen gefälschte Profile (männlich oder weiblich) in sozialen Netzwerken oder Dating-Webseiten. Sie versuchen Menschen mit einem starken Partnerwunsch zu kontaktieren. Sobald dieser Kontakt hergestellt wurde, wird der Scammer versuchen, sein Opfer zu manipulieren. Er wird dem Opfer glaubwürdig machen, in ihm die perfekte Liebe gefunden zu haben. Komplimente, schöne Aussagen, Versprechen, Schmeicheleien usw. werden oft über mehrere Wochen gemacht, bis das Opfer dem Betrüger blind vertraut. Dann beginnen die tragischen und/oder unglaublichen Geschichten, die ihn immer in die Lage eines Märtyrers versetzen, bei welchen ihm nur durch überwiesene Geldsummen geholfen werden kann. Das Opfer wird so weit getrieben, dass es selber vorschlägt, finanzielle Hilfe zu leisten. Der Betrüger verspricht dann, den geschuldeten Betrag oder sogar mehr, so rasch als möglich zurück zu zahlen, damit sie später zusammen ihre Liebe geniessen können.

Diese Betrügereien sind besonders hinterhältig, weil sie die Opfer nicht bloss finanziell schädigen, sondern auch gefühlsmässig stark verletzen. Aber der Fall kann noch dreister werden, wenn das Opfer kompromittierende Fotos oder Videos übermittelt hat. Der Scammer kann diese Bilder und Aufnahmen benutzen und sein Opfer zwingen, noch weitere Zahlungen zu tätigen. Wenn diese nicht ausgeführt werden, wird dem Opfer gedroht, diese Bilder/Aufnahmen an all seine Kontakte weiter zu leiten (Sextorsion). Sobald der Betrug vom Opfer erkannt wird, gibt sich der Scammer oft als Polizist oder Anwalt aus, welcher das Opfer unter dem Vorwand einer laufenden Untersuchung kontaktieren wird. Dieser wird dem Opfer versprechen, nach einer Vorauszahlung eine Klage zu hinterlegen.

Seit 2017 sind bei der Kantonspolizei nur rund zehn Anzeigen wegen «Romance Scam» eingegangen, mit einem durchschnittlichen Verlust von CHF 60’000 pro Opfer. Diese Zahlen widerspiegeln nicht die Realität, was die Opfer durchmachen. Sie wagen aus Scham nicht einmal mit ihren Vertrauten darüber zu sprechen.

Wie schütze ich mich vor «Romance Scam»?

– Zahlen Sie niemals Geld an Menschen, die sie nicht persönlich – d.h. aus dem Offline-Leben- kennen. Ganz egal wie herzerweichend die Geschichte dahinter klingen mag.
– Werden Sie umso misstrauischer, wenn das Geld mittels eines Geldtransfer-Services, wie Western Union oder Moneygram, überwiesen werden soll. Diese Services werden gerne von Betrüger und Betrügerinnen genutzt, da die Überweisungen nicht nachverfolgt werden können.
– Stellen Sie kritische Fragen und versuchen Sie, Ihrem Gegenüber auf den Zahn zu fühlen. Hinterfragen Sie seine Antworten genau.
– Bleiben Sie so anonym wie möglich. Geben Sie keine Telefonnummer oder Adresse heraus.
– Verschicken Sie keine intimen Bilder oder Videos von sich selbst, die sich nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen würden. Love-Scammer erpressen zahlungsunwillige oder –unfähige Betroffene inzwischen auch mit kompromittierendem Bildmaterial.
– Wenn Sie Opfer wurden, scheuen Sie sich nicht, darüber zu reden. Dies wird zur Prävention beitragen, die der Schlüssel zur Bekämpfung dieses Missbrauchs ist.

Quelle: SKP (2019) www.skppsc.ch/de/themen/internet/internet-cyberbetrug